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Die Rotoman sorgt für Erdbeer-Geruch

Die Firma Vogt-Schild Druck AG sorgt mit einer Investition in eine Druckmaschine für Aufsehen. 

Wir freuen uns über den untenstehenden Bericht erschienen in der Solothurner Zeitung vom 14. Juli 2017 (Text: Urs Byland, Fotos: Thomas Ulrich)

Nicht nur etwas, sondern ganz viel Stolz schwingt mit, wenn Rolf Steiner seine neue Druckmaschine vorstellt. Der Geschäftsführer der Derendinger Druckerei Vogt-Schild Druck AG und sein Team nehmen dieser Tage die hochmoderne Rotoman in Betrieb, die alles in allem eine Investition von 11 Millionen Franken auslöste, davon rund 3,5 Mio. für das neue Gebäude und Infrastruktur. Vogt-Schild Druck AG ist eine hundertprozentige Tochter von AZ Medien, zu der auch diese Zeitung gehört. Sie ist spezialisiert in industriellem Bogen- und Rollenoffsetdruck.

Aktuell werden für die diversen Tests bereits Aufträge wahrgenommen, einfach in einem geringeren Tempo, als wenn die Maschine voll druckt. «Sie läuft scharf», erklärt Geschäftsführer Rolf Steiner. Im Normalbetrieb kann die Rotoman in einer Stunde eine Broschüre mit 16 Seiten in einer Auflage von 65 000 Stück drucken. «Oder 240 000 McDonald’s-Tischsets in einer Stunde, hygienisch abgepackt in 500er-Packen. Die gehen direkt in die Filialen.» Eine Cola darf während des Drucks nicht getrunken werden, weil eine Verunreinigung der Tischsets, die im Lebensmittelbereich verwendet werden, ausgeschlossen werden soll. Auch Altpapier darf nicht verwendet werden. «Nur Frischfasern. Die Tischsets, die wir für McDonald’s produzieren, werden nicht einmal berührt.» Hygiene ist wichtig.

Gedruckt wird beidseitig. Für die Roto man wurde eigens eine neue Halle angebaut, in der aus Lärmgründen nochmals abgesondert in einer Halle die Maschine steht. «Wenn die Maschine auf Hochtouren läuft, ist sie auch entsprechend laut.» Bedient wird die Maschine der deutschen Firma Manroland im 3- bis 4-Schicht-Betrieb von jeweils zwei Personen.

Wie von Geisterhand

Der Rundgang beginnt unterhalb der Maschine im Rollenkeller, wo heute im Vergleich zu früher ein doppelt so grosses Lager für die Papierrollen zur Verfügung steht. «Wir werden künftig kein externes Lager mehr benötigen», so Rolf Steiner. Mit Stapler und Greifarm werden die Rollen am Boden platziert und auf den gelben Transportwagen gerollt. Das geschieht von Hand, und dann noch ein Handgriff, um ein Klebeband zu platzieren, das war’s. Wie von Geisterhand wird die Rolle auf die Drehachse gehoben, das Papier eingespannt und durch einen Schlitz in der Decke hochgeführt zu den Druckwerken. Alles verläuft automatisch und wird oben vom Drucker im Führerstand überwacht. «Es wurde noch nie eine Anlage gebaut mit diesem Automatisierungsgrad», klärt Steiner auf.

«Eigentlich braucht es nur vier Druckwerke für die Farben Yellow, Magenta, Cyan und Black. Wir haben noch einen fünften für Spezialitäten. Mit diesem können wir beispielsweise Duftlack drucken, den man abrubbeln kann und der riecht. Eine gedruckte Erdbeere riecht dann nach einer Erdbeere.»

Ein 14 Meter langer «Pizzaofen»

Das Papier wird nach dem Druck in einem gut 14 Meter langen Ofen getrocknet, der in einem Stück in die neue Halle geschoben wurde. Die Planung des Einbaus musste sehr präzis sein, denn auch die Druckwerke und die Rollenanlage im Keller wurde in einem Stück geliefert und eingebaut. Die Abwärme des «Pizzaofens», so Steiner, wird sommers wie winters zu 100 Prozent dem benachbarten Betrieb Brönnimann AG für deren Produktionsprozesse in galvanischen Bädern bei Beschichtungen und Lackierungen zugeführt. «Eine Win-win-Situation für beide. Wer will schon Wärme im Sommer. Das spart rund 40 000 Liter Heizöl jährlich. Die Einsparung teilen wir unter uns.» In drei Jahren sei die Wärmeaustauschanlage amortisiert. Und die Kühlung in der Halle erfolgt übrigens zu 100 Prozent mit Grundwasser. Das Papier durchläuft den «Pizzaofen» in 1,2 bis 1,3 Sekunden, etwas länger als bei der alten Maschine, was das Papier schone. «Das bringt mehr Abriebsfestigkeit, weniger Wellenbildung und eine höhere Qualität.» Danach folgt bereits die Falzmaschine und später die Schneidemaschine. In Türmen wird das Produkt auf Paletten verpackt. Nun folgt Logistikarbeit. Mit dem Stapler werden die Paletten zur weiteren Verarbeitung und Konfektionierung weitertransportiert.

Voll im Konkurrenzkampf

«Mit dieser Maschine sind wir bei höchster industrieller Produktion, bleiben aber äusserst flexibel.» Das sei wichtig, um am Markt bestehen zu können. «Ich bin überzeugt, dass wir auch am Ende der aktuell laufenden Konsolidierungsphase noch im Markt sein werden.» Trotz der Grösse der Rotoman: Drucksachen in einer Auflage von 3000 bis 5000 seien kein Problem. Hauptsächlich werden Zeitschriften, hochwertige Magazine, Kataloge, Broschüren und Flyer produziert. Oder eben Tischsets. Etwa 130 Beschäftigte arbeiten für Vogt Schuld Druck AG. Die Firma hat drei Hauptmitbewerber und konzentriert sich auf den Schweizer Markt. «Der Euro macht uns wahnsinnig zu schaffen. Das ist nicht verdaut. Manch einer geht lieber im billigeren Ausland drucken.» So habe Vogt Schild auch schon Aufträge von renommierten Schweizer Firmen verloren – die im Ausland drucken lassen.

Rolf Steiner hat sich gefreut, als er vom Verwaltungsratspräsidenten Peter Wanner nicht ein Gut zum Druck, aber ein Gut zur Maschine erhielt. «Es ist nicht selbstverständlich, dass in unserer schwierigen Branche investiert wird. Umso mehr freue ich mich, dass unser Besitzer an unseren Standort glaubt.» Doch was sollte Peter Wanner anderes tun. Die Adresse der Druckerei an der Gutenbergstrasse 1 verpflichtet. Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg (1400–1468), gilt als Erfinder der Druckerpresse.